Allergische Reaktionen auf Insektenstiche zeigen keineswegs ein einheitliches klinisches Erscheinungsbild.
Nicht unbedingt
IgE-vermittelt ist eine gesteigerte örtliche Reaktion.
Diese äußern sich in einer z. T. erheblichen Schwellung der Stichstelle von ungewöhnlich langer Dauer. In der Vergangenheit ging man davon aus, dass diese gesteigerten Lokalreaktionen Vorboten einer systemischen Allergie seien. Wie medizinische Langzeitstudien gezeigt haben, trifft dies jedoch nur in seltenen Ausnahmefällen zu (
Mauriello et al. 1984). Schwere Lokalreaktionen können daher in den meisten Fällen als unbedenklich eingestuft werden. Sie treten bei bis zu 19% der Gesamtbevölkerung gelegentlich auf.
Bei den allergischen Allgemeinreaktionen von
Soforttyp werden die Schweregrade I IV unterschieden (nach MÜLLER 1988):
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Grad I mild:
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Nesselsucht (generalisierte Urticaria), starker Juckreiz (Pruritus), Übelkeit, Angst
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Grad II mittelschwer:
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wie Grad I, zusätzlich: Angioödem, Engegefühl, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Schwindel
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Grad III schwer:
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wie Grad I + II, zusätzlich: Atemnot, Schluckstörungen (Dysphagie), Sprachstörung (Dysarthrie), Heiserkeit, Schwäche, Benommenheit, Todesangst
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Grad IV lebensbedrohlich (anaphylaktischer Schock):
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wie vorhergehende Grade, zusätzlich: Blutdruckabfall, Kollaps, Bewusstlosigkeit, Inkontinenz, Blaufärbung der Haut (Zyanose)
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Ein verbreiteter Irrtum ist, dass sich der Schweregrad einer vorliegenden Insektenstichallergie mit jedem erlittenen Stich weiter steigern würde.
Tatsächlich kam es aber in nur 20 bis 60% aller positiven Fälle bei einem späteren zweiten Stich zu einer erneuten allergischen Reaktion. (Müller 1998, Reisman 1998). Wurde ein zweiter Stich nicht toleriert, so traten im Allgemeinen auch dieselben Symptome wie bei der vorangegangenen Reaktion auf (Reisman 1998). Die Insektengiftallergie nimmt also sehr häufig und in vielen Fällen einen selbstbegrenzenden Verlauf.
Das Risiko einer erneuten allergischen Reaktion (Reexpositionsrisiko) hängt von teilweise noch ungeklärten Faktoren ab. So steigt es beispielsweise mit zunehmenden Schweregrad der Allergie und Alter des Gestochenen, aber auch das stechende Insekt und das zwischen den Stichen vergangene Zeitintervall spielt möglicherweise eine Rolle.
Im übrigen ist der Oberbegriff „Insektengiftallergie“ in seiner Bedeutung leicht irreführend.
Die klassische Insektengiftallergie gibt es nicht in der Praxis ist zu unterscheiden, gegen welches Gift man allergisch reagiert.
Am häufigsten ist entweder Bienen- (Apis mellifera) oder Wespengift (Vespula germanica, Vespula vulgaris) der Auslöser.
Vergleichsweise selten führen hingegen Stiche von Hornissen (Vespa crabro), Langkopfwespen (Dolichovespula spp.), Feldwespen (Polistes spp.), Hummeln (Bombus spp.) oder Ameisen (Formicidae) zu allergischen Reaktionen.