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Erbanlagen
Je mehr Familienmitglieder unter Allergien leiden, desto größer ist das Risiko für die Nachkommen, auch an Heuschnupfen, allergischem Asthma oder Neurodermitis zu erkranken:
- Ist kein Familienmitglied betroffen, beträgt das individuelle Erkrankungsrisiko etwa 10 %.
- Ist eines der Geschwister Allergiker, steigt das Risiko auf 25-35 % an.
- Bei einem betroffenen Elternteil liegt es bei 20 bis 40 %.
- Sind beide Eltern allergisch, sind die Kinder in 40 bis 60 % betroffen.
- Leiden beide Eltern zusätzlich unter den gleichen allergischen Symptomen (Heuschnupfen oder Asthma oder Ekzem), ist das Risiko besonders hoch. Es beträgt für die Kinder 50-70 %.
Umweltfaktoren
Offensichtlich spielen auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle bei der Ausbildung einer Allergie. So bestand nach der Wende in Deutschland ein auffallendes "Ost-West-Gefälle": Menschen aus den neuen Bundesländern litten damals sehr viel seltener unter Allergien und Asthma, obwohl die Ostdeutschen einer deutlich höheren Luftverschmutzung ausgesetzt waren. Inzwischen nehmen die Allergien aber auch zwischen Erfurt und Chemnitz kräftig zu. Warum der "westliche" Lebensstil scheinbar Allergien begünstigt, darüber streiten sich die Wissenschaftler. Fest steht aber, dass eine allzu saubere Umgebung und ein überbehütetes Aufwachsen die Allergieausbildung bei Kindern fördert.
Lungenfachärzte der Salzburger Kinderklinik stellten fest, dass nur 3 % der Kinder, die auf einem Bauernhof lebten, unter Heuschnupfen litten. Bei Stadtkindern trat er hingegen dreimal so häufig auf, unter Asthma litten sie sogar viermal öfter.
Auch eine US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine zu saubere Umgebung der Gesundheit von Babys und Kleinkindern nicht zuträglich ist. Im Hausstaub scheinen nämlich Bakterien zu leben, die das Immunsystem trainieren und so Allergien und Asthma vorbeugen. Unsere Abwehrkräfte, die mit "Schmutzbakterien" leicht fertig werden, sind in einer modernen, übersauberen Welt unterfordert. Deshalb sucht sich das "gelangweilte" Immunsystem ein neues Betätigungsfeld und geht dann gegen Birkenpollen, Hausstaubmilben oder Pilzsporen vor. Das würde auch erklären, warum Sprösslinge aus Großfamilien oder Kinder, die sehr früh in den Kinderhort kommen, scheinbar "allergieresistent" sind. Sie stecken sich viel früher und bedeutend häufiger bei Geschwistern und Spielkameraden mit Viren und Bakterien an.
Grundsätzlich liegit allen Reaktionstypen von Allergien eine Fehlregulation und überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems zu Grunde.
Die Ursache der Typ I-Reaktion besteht in einer überschießenden Bildung von IgE, das sind spezifische Antikörper, und deren Wirkung auf bestimmte Zellen des Immunsystems.
Es werden 5 Klassen von Antikörpern bzw. Immunglobulinen (Ig) unterschieden: IgA, IgD, IgE, IgG, IgM.
Jede dieser Klassen hat ihre Aufgabe und wird den Erfordernissen entsprechend verstärkt gebildet.
Mit der Bildung von IgE reagiert der menschliche Körper im Allgemeinen auf einen Befall mit Wurmparasiten. Da immerhin ca. ein Drittel der Weltbevölkerung unter parasitären Wurminfektionen leidet, wäre es durchaus denkbar, dass die Entwicklung der Typ I-Reaktion der Allergie ein "unglückliches" Nebenprodukt in der Evolution der IgE-Klasse ist.
Bei der Typ I-Reaktion wird durch bestimmte Allergene eine IgE-Bildung hervorgerufen.
Allergene können dabei sein: Pflanzenpollen, Nahrungsmittelbestandteile, Insektengifte, Kosmetika oder Medikamente. In diese Liste ließe sich noch eine sehr große Zahl weiterer Substanzen aufnehmen.
Dabei verläuft der erste Kontakt des Patienten mit "seinem" Allergen für ihn unbemerkt. Sein Immunsystem reagiert mit der Bildung einer geringen Menge von IgE, es wird sensibilisiert. Bei einem erneuten Kontakt mit dem selben Allergen "erinnert" sich das Immunsystem an den ersten Kontakt und produziert sofort IgE in unverhältnismäßig großen Mengen.
Die Symptome dieser allergischen Reaktion werden durch die Wechselwirkung des IgE mit bestimmten Zellen des Immunsystems, den Mastzellen, ausgelöst. Mastzellen sind dadurch charakterisiert, dass sie große Mengen Histamin enthalten. Wenn sich das IgE an eine Mastzelle bindet, setzt diese Zelle so genannte Entzündungsmediatoren frei. Dabei handelt es sich um Stoffe, die zur Ausbildung von Entzündungen im Gewebe führen.
Bei der Typ I-Reaktion kommt dem Entzündungsmediator Histamin eine besondere Bedeutung zu. Histamin bewirkt eine Erweiterung der Gefäße, eine erhöhte Durchlässigkeit der Kapillaren, eine Verengung der Bronchien und "lockt" weitere Abwehrzellen in das Entzündungsgebiet. Bei dem Patienten führen diese histaminvermittelten Wirkungen zu einer Schwellung, Rötung und verstärkten Sekretion der entsprechenden Schleimhäute sowie zu Atemnot. Mit dem Blut kann sowohl das Allergen, als auch das Histamin im Körper verteilt werden und so auch an anderen Orten als der Eintrittspforte des Allergens zu entzündlichen Reaktionen führen.
In Studien wurde auch festgestellt, dass die Neigung zu Über- bzw. Fehlreaktionen des Immunsystems, wie z.B. Allergien oder Autoimmunerkrankungen, an bestimmte Haupthistokompatibilitätskomplexe gebunden ist.
Diese Haupthistokompatibilitätskomplexe sind Eiweißstrukturen, die auf der Oberfläche aller Zellen des Organismus vorkommen und für die Steuerung der Immunabwehr ausschlaggebend sind. Sie müssen z.B. vor jeder Organtransplantation getestet werden.
Derzeit sind mehrere Umweltfaktoren bekannt, die die Ausbildung einer Allergie begünstigen, dabei spielen zwei Wirkmechanismen eine Rolle:
Zum einen können Stickoxide, Russpartikel oder Zigarettenrauch zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Schleimhaut der Atemwege für Allergene führen.
Zum anderen beeinflussen Abgase, insbesondere Dieselabgase, sowie Zigarettenrauch direkt die IgE-Bildung.
Es ist von großem Interesse, dass, sofern bei klinischen Tests Abgaspartikel zum Allergen hinzugefügt werden, eine deutliche Steigerung der IgE-Bildung gegenüber der alleinigen Gabe des Allergens zu sehen ist. Einige Umweltmediziner sind daher der Meinung, dass die Zunahme von Heuschnupfen und Asthma in den letzten 30 Jahren der steigenden Luftverschmutzung mit Dieselabgasen entspricht.
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